Markt Steinwiesen Markt Steinwiesen
Angeführt vom Musikverein Nurn zogen Bürgermeister Gerhard Wunder und die Ehrengäste sowie Vereinsvertreter und die Bevölkerung vom Gedenkstein zum Mehrzweckhaus
Pfarrer Richard Reis segnet den Gedenkstein für die Flurneuordnung und Dorferneuerung

Dorferneuerung und Flurneuordnung nach 40 Jahren abgeschlossen

05.11.2019 Kirchliche Segnung des Gedenksteins und Feierstunde durchgeführt.

Fotos: Susanne Deuerling
Pfarrer Richard Reis stellte den Gedenkstein und ganz Nurn unter den Segen Gottes, rechts Bürgermeister Gerhard Wunder

Nurn (sd) Ein Zeuge für die vergangenen 40 Jahre ist der Gedenkstein am Ringweg auf den Höhen über Nurn. Ein Kupferrelief zeigt den Ort und die Jahreszahl.

Pfarrer Richard F. Reis stellte den Stein, den Ort und seine Bewohner und ihre großartigen Bemühungen unter den Schutz des allmächtigen Gottes. Der Standort mit seinem Überblick über das Dorf und dem Weitblick weit in die Höhen des Frankenwaldes nannte Pfarrer Reis ein Zeichen der Wertschätzung gegenüber den vielen helfenden Händen und gegenüber Gott. Das wunderbare Panorama hat Gott ganz ohne Maßnahmen geschaffen, aber mit Gott waren auch die Bemühungen der Menschen mit Erfolg gekrönt. „Auf ihn konntet ihr euch verlassen, er hat euer Unterfangen gelingen lassen“, sagte Pfarrer Reis.

Nach dem Marsch unter Leitung des Musikvereins Nurn von den Höhen ins Dorf fand die Feierstunde im Mehrzweckhaus statt. Gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Teilnehmergemeinschaft Karl Saueressig und Anton Hepple vom Amt für ländliche Entwicklung ging Bürgermeister Gerhard Wunder auf die vergangenen 40 Jahre ein. Am 29. Juni 1979 wurde das Verfahren Nurn – Steinwiesen angeordnet, wobei die Gemarkung Steinwiesen mit Ausnahme weniger Grundstücke aus dem Verfahren herausgenommen wurde. Eine Teilnehmergemeinschaft wurde gegründet und 1980 ein Dorferneuerungsplan erstellt. Dann geschah erstmal gar nichts. Es dauerte 14 Jahr bis die ersten Maßnahmen anliefen. Grund: Widerstände in der Bevölkerung. Als Überschrift war bei einem Zeitungsbericht vom 29.06.1990 zu lesen „Flurbereinigung abgelehnt.“ Nach langen Verhandlungen gelang es schließlich doch, die breite Mehrheit dafür zu gewinnen. Maßgeblich beteiligt war hieran der leider schon verstorbene örtliche Beauftragte Albin Hader, der mit viel Herzblut dieses Verfahren begleitete. Ein Höhepunkt war schließlich der Festakt am 22. November 2012 in der Münchner Residenz. Für die Bodenordnung und das Beweidungskonzept wurde an die Teilnehmergemeinschaft Nurn der Staatspreis/Sonderpreis 2012 für die Land- und Dorfentwicklung in Höhe von 2.000 Euro verliehen.

Für die Flurordnung und Dorferneuerung wurden insgesamt ca. 2,3 Millionen Euro ausgegeben und für private Maßnahmen gaben die Nurner Grundstückseigentümer noch einmal so viel aus. 184 private Förderanträge mit einer Investitionssumme von 2,65 Millionen Euro standen zu Buche, hier gab es ca. 500.000 Euro staatliche Zuschüsse. Der Wegebau trug zur Verbesserung der Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Grundstücke bei. Neben dem Bund beteiligten ich auch der Freistaat Bayern, die Europäische Union und der Markt Steinwiesen an der Finanzierung.


Der Gedenkstein für die Flurneuordnung und Dorferneuerung steht am neuen Ringweg

Bürgermeister Gerhard Wunder ging darauf ein, dass die Ziele der Dorf- und Flurneuordnung in Nurn in vollem Umfange erreicht wurden. Eine intakte Dorfgemeinschaft, Visionen und Träume können viel bewirken. Vor allem die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse, die Gestaltung von Plätzen, Straßen und Grünflächen, die Anlage von Freizeit und Erholungseinrichtungen, die Schaffung von Lebensräumen für die heimische Tier- und Pflanzenwelt und die Erhaltung der Denkmäler wurde angestrebt. Aus der Sicht des Marktes Steinwiesen sind diese drei Punkte umgesetzt worden: Die Verbesserung der Infrastruktur, ein Beitrag zur Flur- und Naturgestaltung und die Stärkung der Dorfgemeinschaft. Wunder nannte noch einige Beispiele an Projekten, die über das Dorferneuerungsprogramm verwirklicht wurden. So wurden Straßenbaumaßnahmen mit Eigenmittel von 256. 00 Euro, der Bau des Feuerwehrgerätehauses mit 70.000 Euro und auch die Plätze am Mehrzweckhaus (14.000 €) und an der Schule (13.500 €) sowie die Straßenbeleuchtung mit 21.000 Euro durchgeführt. Beispielhaft war in Nurn, dass immer Wert auf die Einbindung der gesamten Ortschaft in den Entscheidungsprozess gelegt wurde. Aus dieser Verantwortung heraus, haben sich dann viele Frauen und Männer in Nurn in den letzten 40 Jahren engagiert. Damit das Dorf auch weiterhin so lebendig bleibt, dafür müssen die Bürger nun selbst sorgen. Der Grundstein ist gelegt.

Der TG Vorsitzende Karl Saueressig ging vor allem auf die Flurentwicklung ein und erklärte, dass diese ca 300 Hektar Land mit 170 Besitzständen umfasst. Acht Kilometer neue Wege wurden ausgebaut mit Kosten von 1,1 Mio Euro. Die Eigenleistung der Teilnehmer des Verfahrens wurden mit Hand- und Spanndiensten im Wert von 300.000 Euro verwirklicht. Gerne waren die Nurner beim Pflanzen, Böschung ansäen, Pflastern oder auch bei der Vermessung mit von der Partie. Schließlich waren auch Skeptiker und ehemalige Gegner des Verfahrens mit Begeisterung dabei. „Es fand wirklich eine Identifizierung mit dem Verfahren statt“, bestätigte Saueressig. Die letzte große Baumaßnahme in der Flurentwicklung war neben den Restbaumaßnahmen der Bau des Ringweges. Nach unzähligen Ortsterminen wurde die Trasse so abgesteckt, dass es am wenigsten Widerstände gab. Auch wurde auf aufwändig zu pflegende Biotopstreifen verzichtet und stattdessen ein Beweidungskonzept entwickelt, das bayernweit seinesgleichen sucht. Belohnt wurden die Nurner dafür mit dem Sonderpreis bei der Staatspreisverleihung 2012.

Ehrungen
Anton Hepple vom Amt für ländliche Entwicklung dankte allen Verantwortlichen, die sich 40 Jahre für das Verfahren eingesetzt haben. Er meinte, dass die Dorferneuerung und Flurneuordnung nur gelingen konnte, weil sich Menschen engagierten, Dorf und Fluren zukunftsfähig gestalten und sich so richtig „reinhängen“. In Würdigung der Tätigkeit in der Vorstandschaft der Teilnehmergemeinschaft wurden verdiente Männer und eine Frau mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Dies waren: Otto Deuerling, Stefan Schuberth, Fritz Deuerling, Anton Deuerling, Karl-Heinz Deuerling, Bruno Franz, Martin Ströhlein, Josef Hader, Anneliese Deuerling, Edgar Hader und Markus Merkl.

Der örtliche Beauftrage der Teilnehmergemeinschaft, Karl-Heinz Deuerling dankte all den Menschen, die immer da waren, wenn sie gebraucht wurden. In 40 Jahren wurde viel Geld in das Dorf mit seinen Straßen und Plätzen gesteckt, hier galt sein Dank vor allem dem Amt für ländliche Entwicklung und dem Markt Steinwiesen.

Die Veranstaltung wurde sowohl am Gedenkstein als auch im Mehrzweckhaus vom Musikverein Nurn unter der Leitung von Wolfgang Schrepfer umrahmt. Die Bewirtung hatten die Gymnastikdamen übernommen.


Die Geehrten TG Vorstandsmitglieder von links Karl Saueressig, Gerhard Wunder, Anton Hepple, Otto Deuerling, Josef Hader, Fritz Deuerling, Edgar Hader, Stefan Schuberth, Anneliese Deuerling, Markus Merkl, Karl-Heinz Deuerling und Anton Deuerling. Bruno Franz und Martin Ströhlein waren entschuldigt

Kategorien: Rathaus, Veranstaltungen