Markt Steinwiesen Markt Steinwiesen

Ein Schmuckstück am Rodachufer ist entstanden

10.10.2016 Der neue „Flößerplatz“ an der Rodach wurde gesegnet und offiziell eröffnet.

Steinwiesen (sd) Was für ein Unterschied mag sich der eine oder andere denken, wenn er vom Baierswehr kommend am Ufer der Rodach entlangschlendert. Noch vor nicht zu langer Zeit stand hier An der Rodach 4 ein „Schandfleck“ von Steinwiesen, das alte „Ficknbabelahaus“. Baufällig und unansehnlich, aber unter Denkmalschutz stehend war es auch unter enormen Kostenaufwand nicht zu renovieren. Im Juli 2012 durfte es dann mit Genehmigung der Regierung und des Amtes für Denkmalschutz abgerissen werden. Damit war der Weg frei für eine Planung des Platzes und des Uferbereiches an der Rodach.

Wer heute zu diesem Areal kommt, findet ein beschauliches Plätzchen mit Bänken am Ufer zum „Relaxen“. Er findet Flosse auf einem begrünten Platz, die als Bänke zum Verweilen einladen. Und er sieht die Flößer, die als überdimensionale Silhouetten von Menschen, den Konturen im Flößereibuch von Willi Schreiber nachempfunden, auf diesem Flossen stehen. Kinder spielen zwischen den Flossen, Jugendliche „chillen“ und die Erwachsenen freuen sich, dass der kleine Park den Ort ein klein wenig mehr aufwertet.

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So sah der Platz vorher aus, das alte „Ficknbabelahaus“ war nicht gerade ansehnlich

Im Frankenwald gehört es einfach dazu, neue Häuser, Räume, Plätze und Fahrzeuge unter den Schutz Gottes zu stellen. Hier ist der Glaube noch tief verwurzelt und so wurde auch der Flößerplatz von Pfarrer Hans-Peter Göll und Pastoralreferent Harald Ulbrich unter den Schutz des Herrn gestellt. Pfarrer Göll betonte, dass der beschaulich am Wasser liegende Platz als Treffpunkt für die Menschen dienen soll, zum Feiern, zum Ausruhen - einfach um Zusammenzukommen. Er meinte, dass Wasserströme Lebensströme sind, hier gedeiht das Leben von Mensch, Tier und Pflanze. Auch der neue „Flößerplatz“ erinnert an diese „Lebensströme“ und erinnert an die Zeiten der Flößerei. In den Gebeten und Fürbitten bat Pastoralreferent Ulbrich darum, dass sich Menschen in verschiedenen Lebenssituationen begegnen sollen. Gemeinsam segneten Göll und Ulbrich den Platz, alle, die daran gearbeitet haben und alle, die ihn zukünftig nutzen.

In seiner Rede ging Bürgermeister Gerhard Wunder auf die Geschichte der Städtebauförderung in Steinwiesen ein. Seit der Auftrag für die Vorbereitenden Untersuchungen am 31. Juli 1989 an das Büro Lauer + Lebok erteilt wurde, ist in der Marktgemeinde viel geschehen. Angefangen vom Bau des Festplatzes am Bahnhofgelände bis zum Ausbau der Ortsdurchfahrt, vom „Wohnzimmer“ des Ortes dem Kirch- und Pfarrplatz mit dem Heimatmuseum und der Pfarrkirche „Mariae Geburt“ bis hin zum neuen „Flößerplatz“ hat Steinwiesen seine Pflicht und den Auftrag, Heimat zu bewahren und zu gestalten, sehr gut erfüllt.

Das Anwesen „An der Rodach 4“, im Volksmund „Ficknbabelahaus“ genannt nach dem Hausnamen der ehemaligen Bewohner, gehörte nach dem Tod von Barbara Friedel der Gemeinde. Es wurde verkauft und nach Umwegen war der letzte Besitzer Helmut Friedel. Dieser schenkte der Gemeinde das Anwesen, sodass hier eine Maßnahme nach dem interkommunalen städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) geplant werden konnte. Natürlich waren dann aber noch die Anwohner gefragt. Grunderwerb und Grundstückstausch, Terrassenversatz und viele Verhandlungen waren notwendig, um das Vorhaben zu realisieren. Letztendlich wurden die Zufahrten von der St 2207 neu angelegt, das Rodachufer und der „Flößerplatz“ realisiert. Die angrenzenden Gebäude erhielten durch diese Maßnahme eine enorme Aufwertung. Und vor allen Dingen eine bedeutend „schönere Aussicht

Kosten
Bürgermeister Wunder ging auf die Finanzierung ein. Die Baukosten von insgesamt 528.000 Euro, von denen immerhin 380.000 Euro förderfähig waren, konnten mit den Zuschüssen und den Straßenausbaubeiträgen der Anlieger auf einen Eigenanteil von etwa 300.000 Euro reduziert werden. Laut Auskunft der Baurätin Isabel Strehle werden dies bei der Endabrechnung Zuschüsse von 60% sein. Bei künftigen städtebaulichen Maßnahmen werden sogar 90% der Kosten gefördert, hier stehen auch in Steinwiesen noch einige Projekte an.

Der Dank des Bürgermeisters galt allen am Bau beteiligten Baufirmen, dem Architekturbüro Lauer und Lebok, der Firma STK aus Stadtsteinach, dem Bayernwerk, Baurätin Isabel Strehle und Helmut Friedel für die Überlassung des abbruchreifen Hauses. Den Flößern von Wallenfels für die Flosse und Martin Unglaub für die „Flößer“. Besonders dankte er den Anliegern, die zwar eine Aufwertung ihrer Anwesen erfuhren, jedoch auch viele Unannehmlichkeiten und besonders auch Kosten in Form von Straßenausbaubeiträgen zu bewältigen hatten. „Wir haben einen „Schandfleck“ beseitigt und gleichzeitig einen Platz der Ruhe und Entspannung gebaut. Dass die Kinder den Flößerplatz auch zum Ballspielen nutzen, ist für uns als familienfreundliche Gemeinde ein Selbstverständlichkeit“, bekräftigte Wunder.

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Inmitten der Flosse und der Flößer eröffnet Bürgermeister Gerhard Wunder die Feierlichkeiten zur Einweihung des neuen Flößerplatzes

Grußworte
Architekt Peter Lauer vom Büro Lauer + Lebok meinte, dass man den Architekten manchmal nicht so ganz verstehen würde. „Wir haben das endgültige Bild des Objektes im Kopf, aber bis wir das realisieren können, dauert es schon“, lachte Lauer und meinte, dass es schon manchmal Überzeugungskraft und Psychologie bedarf, um die Gremien davon zu überzeugen. Um allen Gerüchten vorzubeugen, betonte er, dass das „Rosten“ der Flößersilhouetten gewollt und kein Zeichen von Pfusch ist. Das Material „Cortenstahl“ ist ein sogenannter „Edelrost-Stahl“ und wurde extra dafür verwendet.

Baurätin Isabel Strehle lobte das Vorhaben, das unter dem Namen „Neuordnung und städtebauliche Aufwertung des Rodachufers“ gelaufen ist. Es bedeutet nichts anderes als „Wir räumen mal auf“ und sorgte für eine Aufwertung des eigenen Ortes. Sie betonte, dass es egal sei, wie groß das Bauvorhaben ist, wenn alle mitmachen, miteinander kommunizieren und zusammenarbeiten, dann wird es auch gelingen. Sie bezeichnete den „Flößerplatz“ als „echtes kleines Juwel“, das gemeinsam genutzt werden soll. Strehle betonte, dass es in den nächsten Jahren notwendig sein wird, für den Landkreis Kronach höhere Fördersätze zur Verfügung zu stellen, denn es sollen die Gebäude nicht nur abgerissen sondern vor allen Dingen restauriert und einer neuen Nutzung zugeführt werden. „Nehmen sie auch die Förderprogramme im interkommunalen Bereich wahr, die Steinwiesen, Wallenfels und Nordhalben auf den Weg gebracht haben, vor allem die Beratung ist wichtig. Steinwiesen ist auf einem wunderbaren Weg“, schloss Baurätin Isabel Strehle ihr Grußwort.

Kategorien: Rathaus