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Nurner Brocken erhitzte die Gemüter

23.11.2020 Heute beliebter Anlaufpunkt für Wanderer und Spaziergänger.

Nurn – Herbe Kritik gab es vor gut einem Jahrzehnt bei den Bürgerversammlungen in Nurn. Stein des Anstoßes – und dies im wahrsten Sinne des Wortes – war ein ungeheuerlicher Geröllhaufen, der nach gut einem Kilometer von ihrem Ort entfernt aufgeschüttet worden war. Ein Marktgemeinderat wetterte im November 2010 bei der seinerzeitigen Veranstaltung mit den Worten: „Dies hätte man Nurn nicht antun dürfen.“

Bürgermeister Gerhard Wunder bat bei dieser Gelegenheit darum, nicht von einem Steinhaufen oder Geopark, sondern bestenfalls von einem Geotop zu sprechen. Inzwischen wird dieses Areal als „Nurner Brocken“ bezeichnet und ist mit diesem Begriff auch auf Google zu finden. Hier ist unter anderem zu lesen, dass es sich um ein einzigartiges Stein-Ensemble handelt und man auf der höchsten Erhebung, der Hügelkuppe, eine wunderbare Aussicht über den Frankenwald genießen kann. Nachdem ein User auf  Facebook „Am Nurner Brocken ist es einfach immer schön“ geschrieben hatte, bekam er von den Frankenweibern die Antwort: „Ohna uns ober nur halb su schö.“

Diese Rückäußerung ist in Anlehnung an den Frankenwald-Wandermarathon im Jahre 2014 zu betrachten, als der Nurner Brocken zu einem der Anlaufpunkte gehörte und hier die achtköpfige lustige Frauenschar aus dem Bereich von Naila für Unterhaltung sorgte und die Wanderschar auf ihre eigene fröhliche Art begrüßte.

Vorbei am Platz, mit den zahlreichen Felsblöcken und Gerölle, bestehend aus Grauwacken und Tonschiefern, führt das zertifizierte Frankenwaldsteigla Ködeltour mit dem Wanderweg RT 24 (Zweiwasserweg). Unterdessen ist er Brocken auch zu einem äußerst beliebten Anlaufpunkt und Aufenthaltsort während des gesamten Jahres von Auswärtigen und Einheimischen geworden, sodass von der seinerzeitigen Kritik nichts mehr zu hören ist. Zu den Besuchern gehörte auch schon der einstige Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Als er im August 2017 im Steinwiesener Ortsteil gastierte stieß er auf ein Lächeln, denn er sprach von einer ungeordneten Steinablage.

Entstanden ist diese Steinflur aus 30.000 Kubikmeter Felsmaterial, das als Abraum von Sprengarbeiten beim Ausbau der Staatsstraße 2207 und des Radwegs zwischen Steinwiesen und Mauthaus angefallen war. Damals stellte sich die Frage: Wohin mit dieser enormen Menge Geröll? Eine Ablagerung im angrenzenden Talraum kam aus Gründen des Hochwasserschutzes nicht in Frage. Dennoch sollte der Transportweg für die rund 3.000 Lastwagenfahrten nicht zu weit werden. Schließlich wurde die jetzige Fläche gewählt.

Diese Aktion löste damals aber keine Begeisterung bei der Nurner Bevölkerung aus. Dies unter anderem deshalb, da neben der enormen Staubbelästigung auch der Zustand des zum Ablageplatz führenden Weges in arge Mitleidenschaft gezogen worden ist. Die Anlage hatte das Staatliche Bauamt Bamberg in Zusammenarbeit mit der Unteren Naturschutzbehörde in alleiniger Verantwortung geplant und realisiert. Die damaligen Vorwürfe an die Marktgemeinde musste Bürgermeister Gerhard Wunder zurückweisen. „Die Gemeinde ist erst zu einem späteren Stadium dazu gehört worden. Allerdings sind Menge und Höhe der Steine erheblich vom Plan abgewichen und im Gesamtumfang fast doppelt so groß geworden.“ In den Folgejahren sind die Kritikpunkte mehr und mehr verhallt, zumal ein Zurück nicht mehr möglich war.

Einher mit den Felsbeseitigungen an der Staatsstraße ging auch der Verlust von Lebensräumen seltener Pflanzen und Tiere. Auch hier bot sich der Standort bestens an, sodass die Naturschützer voll des Lobes für diese Lösung waren. Durch die relative Unordnung der Gesteinsschüttung sind die unterschiedlichsten Lebensräume entstanden: stark besonnte Steine, kühle Schattenlöcher, Nord- und Südhänge, felsig oder mit Schotter und Sand, zersetzbare Holzhaufen, hohe Trockenlagen und erdnahe Schüttungen. Diese Vielfalt soll und wird sich weiter verändern, denn immer mehr Pflanzen und Tiere siedeln sich nach und nach an. Hierzu die Ökologische Bildungsstätte Oberfranken und die Untere Naturschützbehörde Kronach: „Es wird spannend sein, diese Entwicklung weiter zu beobachten!“

Für die Besucher stehen an verschiedenen Stellen Ruhebänke zur Rast und zum Ausblick bereit. Näheres kann auf Infotafeln entnommen werden. So ist auf einer dieser Auskunftstafeln zu lesen: „Willkommen in der Steinflur von Nurn, unserer fränkischen Steinwüste! Lassen Sie sich von dem schroffen Charme nicht abschrecken: Entdecken sie auf einem kurzen Spaziergang die Faszination der nur auf den ersten Blick unbelebten Steinlandschaft.“

Längst haben auch Fotografen diesen Ort, der auf dem Weg vom Nurner Friedhof zum „Gänsehügel“, vorbei an einer Andachtskapelle, in Richtung Steinwiesener Sportplatz am Steinernen Kreuz zu finden ist, entdeckt. So ist es nicht verwunderlich, dass Aufnahmen beim jüngsten Wettbewerb „Die schönsten Aussichtspunkte des Naturparks Frankenwald“ eingereicht worden sind und aktuell zwei Bilder unter den besten 15 gelandet sind. Hans Franz

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