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„Steh auf und geh“

10.03.2020 Frauen aller Konfessionen feierten den Weltgebetstag in Steinwiesen diesmal im Pfarrsaal.

Steinwiesen (sd) Verwundert schauen die zahlreich gekommenen Gebetstagsbesucherinnen, die in den Pfarrsaal neben der katholischen Pfarr- und Wallfahrtskirche „Mariae Geburt“ gekommen waren, auf Gisela Schmermer, die neben dem aus bunten Tüchern in den Nationalfarben Simbabwes bestehenden Altar am Boden liegt. Warum? Nun, das Motto des diesjährigen Weltgebetstages heißt „Steh auf und geh“ und genauso wurde die liegende Frau dazu aufgefordert „Steh auf und geh“ – und die Hände der anderen Frauen halfen ihr. Genauso wie Gott, wie Jesus den Menschen dabei hilft „aufzustehen und zu gehen“.

Die Gottesdienstordnung des diesjährigen Weltgebetstages kommt von Frauen aus Simbabwe. Unter schwierigen Bedingungen habe sie die Texte gestaltet, immer überwacht von der Staatsmacht, die korrigierend darüber schaute. Deshalb ist es auch angebracht, zwischen den Texten zu lesen, wie es in dem einst blühenden Staat heute aussieht. Simbabwe liegt im südlichen Afrika und ist ungefähr so groß wie Deutschland und Belgien zusammen. In Simbabwe leben insgesamt ca. 14 Millionen Menschen, davon 1,5 Millionen in der Hauptstadt Harare. Politisch war Simbabwe bis zur Unabhängigkeit 1980 englische Kolonie, danach wurde es bis 2017 diktatorisch von Robert Mugabe regiert. In dieser Zeit erlebte das Land einen beispiellosen wirtschaftlichen Niedergang und ist heute ein armes Land, an dem auch die Neuwahlen 2018 nicht viel änderten. 86% der Bevölkerung gehören einer christlichen Kirche an. Die Frauen spielen in Simbabwe eine große Rolle, sie kümmern sich um die Familie und sind wirtschaftlich für diese zuständig. Sie dürfen aber ihre Meinung nicht frei äußern und deshalb ist es umso wichtiger, zwischen den Zeilen zu lesen. Das diesjährige Bild „Steh auf, nimm deine Matte und geh“ zeigt das gesellschaftliche Leben in Simbabwe. Im oberen Teil stellt die Künstlerin den Übergang von der dunklen Vergangenheit in eine vielversprechende Zukunft da, im unteren Teil erscheint der Gelähmte aus der Bibel, zu dem Jesus gesagt hat „Steh auf und geh“.

In den Liedern und Texten aus Simbabwe kommt immer wieder das Lob an Gott zum Vorschein, das Leben mit Gott auch in einer schwierigen Zeit. In Briefen haben die Frauen aus Simbabwe ausgedrückt, was sie empfinden, sie erzählen von sich und ihrem Land. Und sie haben nur eine Möglichkeit, etwas zu verbessern, das ist das Gebet und die Hilfe der vielen Frauen in der Welt. Sie wollen Frieden stiften und Versöhnung erreichen. Es gibt nicht viel Arbeit im Land, die Männer müssen weit fort in die Nachbarländer, wo sie die weltweite Stimmung gegen Migranten zu spüren bekommen. Das tut weh, dabei gibt es auch so viel Gutes unter den Menschen in Simbabwe. Die Kultur, den starken Familienzusammenhalt und den Glauben. Und so wird in den Liedern die Forderung nach Hilfe, aber auch die Bitte, alles zu tun, was Jesus sagt, deutlich. „Steh auf und mach dich auf den Weg, geh den ersten Schritt, denn Gott sieht, wer du wirklich bist“ – diese Texte machen Hoffnung. Und so wie der Kranke aus dem Evangelium des Johannes die Hoffnung auf Jesus gesetzt hat und nicht enttäuscht wurde, so sollen auch die Frauen aus Simbabwe ihre Hoffnung ganz auf Jesus setzen. Im Lied „Steh auf“ wird dies deutlich, denn jahrelang erstarrt, wie gelähmt so leben viele Menschen. Doch sie hoffen auf ein Wunder, doch Jesus verlangt auch eine Gegenleistung dafür, er will, dass die Menschen mithelfen, sich aufzuraffen, aufzustehen und zu tanzen und zu springen. Im Dankgebet haben sich schließlich alle Frauen mit allen Menschen in allen Provinzen von Simbabwe und der ganzen Welt verbunden. „Von allen Enden der Erde machen wir uns auf den Weg“ – so verbinden sich die Menschen auf der ganzen Welt. Und „durch das Dunkel hindurch scheint der Himmel hell, so hell soll auch die Erde sein“.

Traditionell wurde zum Schluss das schöne Lied „Der Tag ist um, die Nacht kehrt wieder“ gesungen. Bei kleinen Köstlichkeiten nach Rezepten aus Simbabwe und Tee konnten die Besucherinnen noch einige schöne Gespräche führen. Der Gottesdienst für den Weltgebetstag 2021 kommt aus Vanuatu. Der aus 83 Inseln – bzw. Inselgruppen – bestehende Inselstaat im Südpazifik ging 1980 aus dem seit 1906 bestehenden britisch-französischen Kondominium Neue Hebriden hervor und hat heute etwa 267.000 Einwohner.


Ingrid Renk verteilt im Anschluss Tee und Köstlichkeiten aus Simbabwe

Vorbereitung des Weltgebetstages
Das Team des Weltgebetstages in Steinwiesen besteht aus 8 Frauen beider Konfessionen. Nach dem Einführungsabend in Kronach begann die Vorbereitung vor Ort. Seit vier Wochen haben sie sich intensiv mit dem Thema beschäftigt und wie Ingrid Renk berichtet, sogar im Auto die Lieder gehört und mitgesungen.

Geschichte des Weltgebetstages in Steinwiesen
Seit fast 30 Jahren kümmert sich das Frauen-Team jedes Jahr um die Gestaltung des Weltgebetstages der Frauen in Steinwiesen. Damals vor 30 Jahren war Pfarrer Sauer für die Gemeinde zuständig und die Gebetstage fanden ausschließlich in der evangelischen St. Johanniskirche statt. Aber von Anfang an kamen viele katholische Frauen, um mit zu beten und zu singen. Zuerst gab es einen evangelischen Frauenkreis, der aber nach und nach immer „katholischer“ wurde und heute leider nicht mehr existiert, aber aus dem die Weltgebetstagbewegung in Steinwiesen entstanden ist.

Seit nun etwa 20 Jahren findet der Gebetstag abwechselnd in der evangelischen St. Johanniskirche und der katholischen Pfarrkirche „Mariae Geburt“ statt. Seit einigen Jahren wurde der ökumenische Gottesdienst in den Pfarrsaal verlagert. Direkt neben der Pfarr- und Wallfahrtskirche „Mariae Geburt“ gelegen, ist dies zentral. Die Beteiligung gab dem Team nach dieser Entscheidung Recht. Viele Frauen kamen, auch die denen es immer „zu kalt“ in der Kirche war oder „zu groß“. Es herrscht eine stimmungsvolle Atmosphäre, der Stuhlkreis rund um den Altar, den das Team auf dem Boden gestaltet hatte, war gefüllt und das Singen und Beten fiel leichter, da die Frauen nicht so „verstreut“ in der großen Kirche waren. 

Kategorien: Kirche, Veranstaltungen