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Steinwiesen hat zusammengehalten

09.07.2020 DLRG und Geschäftsleute ziehen ein Fazit – Resonanz durchweg positiv auf beiden Seiten.

Fotos: Susanne Deuerling
Am Schluss war man eine große Familie – die Männer und Frauen der DLRG und der örtlichen Geschäfte, hier dabei Bäckerei Willi Müller, Nahkauf, Metzgerei Förtschbeck und Gasthof Goldener Anker

Begeisterung für die Helfer
Steinwiesen (sd) „Sie kommen“, „Toll, dass ihr da seid“, „Habt ihr alles dabei?“, „Vielen Dank für eure Hilfe“ – das sind nur einige der Aussagen, die die Jungs von der DLRG jeden Tag hörten, wenn sie mit ihrem voll beladenen Fahrzeug vor den Häusern hielten. „Es hat einen schon berührt, wenn man so herzlich empfangen worden ist“, erinnert sich Stephan Wrobel, der im März zusammen mit seiner DLRG und den örtlichen Geschäftsleuten die Versorgung der Bevölkerung in der Corona-Krise bei Bedarf übernommen hat.

10 Wochen lang lieferten sie zwei Stunden täglich die Bestellungen der Bürger aus. Egal ob Wurst und Brot, sonstige Lebensmittel, Obst und Gemüse oder sonstige Sachen, die man eben so zuhause braucht, es wurde alles geordert und ausgeliefert. Mittagessen vom Gasthof „Grüner Baum“ und Gasthof „Goldener Anker“ standen besonders am Wochenende auf der Lieferliste ganz oben. „Es war toll, wie uns die Steinwiesener und auch Nachbarorte mit ihren Bestellungen hier unterstützt haben“, ist Ulrich Kolb vom Goldenen Anker sichtlich gerührt. Nachdem die Gasthäuser zu Anfang nicht öffnen durften, war dies die einzige Einnahmequelle. „In Zusammenarbeit mit den Banken, den Energieunternehmen und vor allem unseren treuen Gästen konnten wir einigermaßen über die Runden kommen“, sagt der Wirt auch im Namen der Familie Ring vom Grünen Baum.

Die lustigen freiwilligen Helfer der DLRG Ortsgruppe Steinwiesen lieferten aber nicht nur aus, sie waren regelrecht für manche Männer und Frauen der Lichtblick des Tages. Viele gingen aus Vorsicht nicht aus dem Haus und es war der einzige Besuch, der einzige Kontakt am Tag. „Da musste ein kleines Schwätzchen schon drin sein und manchmal war man regelrecht der Seelenklempner“, wird Stephan Wrobel nachdenklich. Auch mal ein Korb Holz oder das Hereinholen der Tageszeitung sowie aufmunternde Worte gehörten einfach dazu. „Da hat man schon gemerkt, dass es doch einsame Menschen auch in unserer Gemeinde gibt.“ Aber meistens waren die Erlebnisse lustig. „Meina Bumm, da habd ihr noch a Stückla Schoklad“ oder „ich möchte euch fei wos schenk, wall de mich helft“ – das waren schöne Erlebnisse. „Die Menschen waren einfach dankbar, dass es diese Aktion gegeben hat“, war sich auch Wieland Beierkuhnlein vom Gemischtwarenladen „Fritzla“ sicher. Und irgendwie war die Hemmschwelle, sich helfen zu lassen, auch nicht so hoch, wenn man ganz normal im Geschäft oder Lokal bestellen konnte. Geliefert wurde dann eben von den Jungs im roten Shirt und dem schmucken DLRG Fahrzeug. Viele standen schon mit dem Geld an der Haustür, andere hatten es dort deponiert, weil sie nicht herauswollten und da stellte man die Waren vor die Tür. In den langen Wochen gab es viele, die sozusagen zu Stammgästen wurden, zum Schluss wusste man bereits, was bei der Bestellung dabei war. Das war ein Beweis dafür, wie gut der Service angenommen wurde.

Die Lieferungen der frischen Mittagessen waren manchmal gar nicht so leicht. Duftete das Fahrzeug doch oft nach frischen Haxen, leckeren Gänsebrüsten oder saftigem Rehbraten. „Da bekam man schon manchmal Hunger, wenn wir unterwegs waren“ – Tobi „Böhni“ Böhnlein läuft heut noch das Wasser im Mund zusammen. Aber nach getaner Arbeit wartete schon das Mittagessen frisch verpackt im Goldenen Anker auf sie und auch die „Auslieferer“ konnten sich eine Pause gönnen. Für die Gasthäuser war auch nach der Öffnung unter Auflagen das Geschäft „Über die Gasse“ sehr wichtig. Neben der Lieferung wurden nun auch viele Kunden als „Abholer“ aktiv. Es gab bei den beiden Gastwirtschaften sogar „Speisekarten für Abholer“, man konnte Töpfe mitbringen und so wurde auch Verpackungsmaterial gespart. Außerdem wurden etliche Gutscheine geordert, die nun nach und nach eingelöst werden und dadurch ebenfalls zur Bewältigung des Kostenengpasses beigetragen haben.


Auch sie waren bei der Aktion in der vordersten Reihe: Wieland Beierkuhnlein (Fritzla) und Christa Ring (Grüner Baum). Es fehlt auf dem Foto die Bäckerei Kuhnlein, die ebenfalls mit im Boot war

Kosten, Konzept und Dank
Doch bei all der Freude darf man nicht vergessen, was hinter den Kulissen notwendig war, um diesen Lieferservice überhaupt durchführen zu können. Hygiene war oberstes Gebot. Nicht nur die Handschuhe waren Pflicht, es musste auch das Fahrzeug nach jedem Einsatz gereinigt und desinfiziert werden. Das hatten die Frauen und Jugendlichen der Hilfsorganisation übernommen. Zahllose Flaschen an Desinfektionsmittel wurden verbraucht, Einweghandschuhe in Großpackungen und Papiertücher, die sofort vernichtet wurden. Doch wie sieht es mit den Kosten für diese Aktion aus? Wenn man bedenkt, dass insgesamt 1.400 km bewältigt wurden, man Schlegelshaid und Rieblich mit abgedeckt hat, dann kommt unter dem Strich schon einiges zusammen. Von der Gemeinde gab es einen Zuschuss von 400 Euro, den Rest finanzierten sie hauptsächlich aus ihren Trinkgeldern und der DLRG-Kasse. Rückblickend waren sich alle einig, dass es sich gelohnt und diese Aktion allen geholfen hat. Den Bürgern, damit sie versorgt waren. Den Geschäftsleuten, die dadurch auch weiterhin verkaufen konnten und den Gastwirtschaften, die wenigstens einen Teil der laufenden Kosten und Löhne erwirtschaften konnten. Deshalb dankte Ulrich Kolb vom Goldenen Anker, der damals im März die Aktion ins Leben gerufen hatte, auch allen, die sie so gut unterstützt haben. „Man hat gemerkt, dass auch eine etwas größere Ortschaft wie Steinwiesen zusammenhalten kann, wenn es notwendig ist“, meint er und wünschte sich, dass der Zusammenhalt auch in “normalen“ Zeiten so sein möge und nicht nur in der Krise. Und was sagt Chris Weinmann von der DLRG? „Sollte es wirklich noch eine zweite Corona-Welle geben, dann sind wir wieder dabei und helfen, wo wir können“. Eine Aussage, die bei aller Angst und Skepsis auch Hoffnung für gerade ältere Bürger gibt.

An der Aktion „Wir halten zusammen“ - Gemeinsam gegen Corona nahmen teil:
Gasthof „Goldenen Anker“, Gasthof „Grüner Baum“, Bäckerei Willi Müller, Fritzla Wieland Beierkuhnlein, Bäckerei Kuhnlein, Metzgerei Förtschbeck, Nahkauf und natürlich der DLRG Ortsverband

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