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Tradition

10.01.2018 „Pfeffera“ machen Neufang unsicher.

Neufang - Traditionell am 28. Dezember, dem Tag der unschuldigen Kinder, zieht in Neufang ein „Pfeffera“-Zug von Haus zu Haus. Auch heuer machten gut ein Dutzend junger Burschen singend, tanzend und natürlich „pfeffernd“ ihr schönes Heimatdorf unsicher.

„Tief im Frankenwald“ schallt es laut aus den Kehlen junger - „etwas“ seltsam aussehender - Gestalten. Unter ihnen ist auch Schifferklavier-Spieler Matthias, der den sich mehr oder weniger schnell durch das Bergdorf bewegenden „Pfeffera“-Zug musikalisch begleitet. Am Ende des Lieds setzt jeweils einer der jungen Burschen im Alter zwischen 18 und 21 Jahren zu einem Art Jauchzer an, den man in Worten nur schlecht beschreiben kann. Dann wird beim nächsten Haus geklingelt, wo man ihnen dann hoffentlich Einlass gewährt.

Zum „Pfeffera“-Zug gehören - neben dem Musikant - auch ein Schlotfeger, ein Scherenschleifer, ein Sack- sowie Schnapsträger und ein Kürassier, der die Kasse mit sich führt. Dann gibt es noch Jäger sowie Tänzer. Die Zeremonie in den Häusern läuft immer gleich ab: Es wird getanzt, getrunken und natürlich gepfeffert. Zunächst wird ein „Schneewalzer“ mit der Hausherrin und den anderen weiblichen Mitbewohnerinnen getanzt. Anschließend vertreibt man durch das Hauen mit dem Pfefferstrauß (geschnittene Tannenzweige) auf die Beinrückseiten der Damen die bösen Geister fürs kommende Jahr. Gepfeffert werden in Neufang lediglich die Damen. Mit dem Ritual, das Glück bringen soll, wünscht man ihnen ein gutes neues Jahr.


Scherenschleifer Felix schärft die Scheren seiner Oma Waltraud Beetz

Leider wird dieser schöne Brauch nur noch in wenigen Dörfern aufrecht erhalten. In Neufang gibt es ihn schon sehr lange. Gepfeffert wird in Neufang zwar nur die Frauenwelt, doch es gibt noch eine weitere Tradition, in dessen „Genuss“ auch die Männer kommen: Eine rußige schwarze Schelln. Angeschwärzt wird jeder, der den „Pfeffera“ über den Weg läuft, Autofahrer, Fußgänger, Radfahrer, Verkäuferinnen und Arbeiter. Diese ehrenvolle Aufgabe obliegt dem Schlotfeger, der sich zunächst die Hände mit schwarzer Farbe (Schuhcreme) einreibt. Damit streicht er seinem Opfer genüsslich über die Wangen. Als kleine „Wiedergutmachung“ erhält dieses einen kräftigen Schluck Schnaps aus einem großen Schöpflöffel. Derweilen werden Scheren und Messer der Familie mit einem Wetzstein geschärft. Scherenschleifer Felix erhält dafür ebenso einen kleinen Lohn wie auch die beiden Jäger, die den Christbaum von oben bis unten inspizieren – nicht, dass er vielleicht im Wald heimlich umgemacht wurde. Schnell einigt man sich auf eine Summe für die Baumauslösung. All das wandert in die Kasse von Leon, der den „Pfefferhafer“ verwaltet. Damit wird alljährlich ein „Pfeffera-Tanz“ für die Bevölkerung ausgerichtet.


Auch der achtjährige Laurenz und sein drei Jahre älterer Bruder Johannes gehörten zu den „Angeschwärzten“

Fürs leibliche Wohl stehen in den Häusern Knabbereien, Hochprozentiges und Nichtalkoholisches bereit. Schließlich sind die „Pfefferera" vor Sonnenaufgang bis weit in den Abend unterwegs. Ihre Tour begann um halb sechs Uhr am Morgen in der Schäferei, Leitsch sowie Tempenberg, bevor es in Neufang weiterging. Nicht jeder Hausherr öffnet. Meist hängt in diesem Fall jedoch ein Geldkuvert an der Tür und eine kleine Aufmerksamkeit steht davor - beispielsweise „ein guter Schluck“. Wann sie dieses Mal fertig sind, steht noch in den Sternen. In den letzten Jahren war es meistens etwa 20 Uhr. Lediglich für das Frühstück und Mittagessen wird eine kleine Pause eingelegt. Hierfür zeichnen die Neufiche Maala verantwortlich.

Die „Pfeffera“ wünschen den Hausherren ein gutes neues Jahr. Mit dem Lied „Muss i denn zum Städtele hinaus“ geht es für sie weiter zur nächsten Familie. Der Tag ist lang und anstrengend. Aber er macht auch viel Spaß, darin sind sich die Pfeffera einig – selbst, als an einem solchen Tag mit Schneeschauern und Matsch auf der Straße. „Pfeffera zu sein, ist eine Ehre“, betonen sie und hoffen, dass die schöne Tradition noch lange aufrechterhalten wird. hs

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