Gesangverein Cäcilia ist Geschichte

22. Juli 2021 : Auflösung nach 130 Jahren sorgt teilweise für Wehmut.

Steinwiesen (sd) 130 Jahre Gesangverein Cäcilia in Steinwiesen, 130 Jahre Gesang und 130 Jahre Freude bei weltlichen und kirchlichen Feiern – all das ist seit der Mitgliederversammlung am vergangenen Dienstag Geschichte.

Seit Januar 2018 brodelte es in der einst so harmonischen Gemeinschaft. Man war sozusagen in zwei Lager gespalten und war dennoch in den Jahren danach bemüht, die drohende Auflösung noch abzuwenden. Doch die Differenzen scheinen zu groß gewesen zu sein. Und so hatte die kommissarische Vorsitzende Monika Rohr nun zur endgültigen Auflösungsveranstaltung geladen.

Es sei kein erfreulicher Anlass, dieses Treffen, meinte Monika Rohr und ging kurz auf die vergangenen zwei Jahre ein. Man habe auch weiterhin finanzielle Verpflichtungen gehabt, wie den Beitrag an den Sängerbund und die Versicherungen für Fahne und Vereinszubehör. Der Verein lief sozusagen auf Sparflamme, auch deshalb, weil aufgrund der Corona-Beschränkungen keine Maßnahmen möglich waren. Man habe aber in dieser Zeit durch eine Übertragung einer Geldsumme an den Markt Steinwiesen für den Grundschulchor für dessen Weiterbestehen gesorgt.

Abstimmung mit einem lachenden und einem weinenden Auge
Es ist eine schwere Entscheidung, einen Verein auflösen zu müssen, aber manchmal die einzig richtige. Bei der Abstimmung waren alle Anwesenden einstimmig dafür, den Verein aufzulösen, es wäre hier auf jeden Fall eine ¾ Mehrheit nötig gewesen. Man war sich einig, dass es keinen Sinn hat, diese Entscheidung noch weiter aufzuschieben und dadurch unnötige Kosten zu verursachen. Einig war man sich auch darüber, wie es mit dem vorhandenen Geldvermögen weitergehen soll. Das Guthaben geht laut Satzung an den Markt Steinwiesen, der es für kulturelle Zwecke im musischen Bereich verwenden werde. Es soll nun zur Finanzierung des Schulchores verwendet werden, solange dieser existiert. Hier betonte Bürgermeister Gerhard Wunder, dass dies natürlich im Sinne des aufgelösten Vereins geschehen werde. Er hoffte, dass vielleicht später wieder ein Gesangverein gegründet und mit diesem Geld dann auch unterstützt werden könnte.

Der Gesangverein Cäcilia nennt natürlich auch Sachwerte sein Eigen. Die Vereinsfahne, Zelterplakette, Auszeichnungen, Notenblätter, Fotos, die Festschrift zum 125jährigen Jubiläum und noch vieles mehr. Einstimmig beschloss man, die meisten Sachen ins Heimatmuseum zu bringen, wo sie eingelagert werden können und vielleicht doch eines Tages einen Ausstellungsplatz erhalten. Das Klavier bleibt vorerst im Grünen Baum, bis es einmal anderweitig gebraucht wird, das Keyboard steht weiterhin den Schulchor zur Verfügung. Für die vorhandenen Notenblätter versucht Walter Schmittdorsch eine Verwendung bzw. bei interessierten Vereinen oder Mitgliedern einen Käufer zu finden.

Für Bürgermeister Gerhard Wunder war es nicht leicht, dass in einer Gemeinde nun ein Verein aufgelöst werden muss. Aber manchmal ist es einfach notwendig, einen Schlussstrich zu ziehen. Nun ruht die Hoffnung auf dem Schulchor, vielleicht bildet sich daraus wieder eine Sängergruppe. Er dankte allen, die sich in den letzten nicht gerade einfachen Jahren um den Verein bemüht und diese schwierige Zeit durchgestanden haben. Er meinte, dass viele nur kritisieren konnten, aber wenn wirklich jemand gebraucht wurde, dann war keiner dazu bereit. Wunder betonte aber auch, dass man die sozialen Kontakte nicht einschlafen lassen darf, weiterhin miteinander reden, sich treffen, das ist das Wichtigste. Monika Rohr blieb am Ende nichts weiter, als Danke zu sagen an ihre Mitstreiter der letzten Vorstandschaft, der Gemeinde und allen Mitgliedern, die so lange die Treue gehalten haben. Gemeinschaft hieß, Freud und Leid miteinander zu teilen und auch Konzerte und Reisen sowie viele gesellschaftliche Ereignisse in guter Erinnerung zu behalten.