„Von Menschenhand gebaut – von Gott gesegnet“

30. Juli 2021 : Koberhaus wird seiner Bestimmung übergeben und unter den Schutz des Allmächtigen gestellt.

Steinwiesen (sd) Als Rainer Kober vor drei Jahren beschloss, etwas für die Gemeinschaft zu tun, etwas Nachhaltiges, Sinnvolles und Soziales zu schaffen, konnte sich niemand so recht vorstellen, dass dies im ehemaligen Gerberhaus gelingen könnte. Das Haus aus den 60er Jahren, bereits im außergewöhnlichen Stil der 70er gebaut, liegt direkt im Ortskern und stellte eine enorme Herausforderung an den Investor und den beauftragten Architekten da.

Mit ins Boot kam der Caritasverband mit seinem Projekt „In der Heimat wohnen“ und der Markt Steinwiesen. Der Vorteil des Gebäudes ist, dass es bekannt ist und die gesamte Infrastruktur quasi vor der Haustür hat. Geschäfte, Ärzte, Banken, Apotheke usw. – alles nur einige Meter entfernt. Leider aber auch die Durchgangsstraße und den Verkehr. Aber auch hier könnte sich etwas ändern, eine 30er Zone wurde vom Markt Steinwiesen bereits beantragt. Und es gibt in Zukunft noch den Kobergarten, der über eine Nebenstraße problemlos in zwei Minuten zu erreichen ist und ein Treffpunkt werden soll.

Segnung durch die Geistlichen
Nun sollte das Koberhaus seiner Bestimmung übergeben werden. Doch ein Haus wäre nur ein Haus, wenn es nicht unter den Schutz und Segen des allmächtigen Gottes gestellt wäre. Nur ein Gebäude aus Stein, erst durch Gottes Segen wird es eine Heimat. Geborgenheit, Frieden und Gemeinschaft, all das kann unter dem Dach, das gesegnet ist, gedeihen. Und deshalb wurde auch das Koberhaus unter diesen Schutz gestellt, wie es hier im Frankenwald Tradition ist. „An Gottes Segen ist alles gelegen“ – dieses alte Wort sagt so viel aus. Und wenn an der Eingangstür groß das Wort „Heimat“ steht, dann ist das nicht nur eine Floskel, die halt schön aussieht, nein hinter der Tür ist die „Heimat“, sie ist das, was die Menschen suchen und leben. Die beiden Geistlichen Pfarrer Richard Reis und Pfarrer Dr. Hans-Peter Göll gingen in ihren Segensworten auf das Haus ein, nicht nur das aus Stein, sondern die Heimat, das Haus im Herzen. Nicht nur das Gebäude, sondern vor allem die Bewohner stellten sie unter den Schutz und Segen Gottes. Gebete, eine Lesung und Fürbitten sowie das gemeinschaftliche Vater unser schufen einen Moment der Vertrautheit untereinander und gegenüber dem Höchsten, die Herausforderungen für das Koberhaus konnten nur gemeinsam gemeistert werden, gemeinsam mit Gott. Die beiden Pfarrer segneten Brot und Salz für die Bewohner und kleine Holzkreuze für die Wohnungen. Ein großes, handgeschnitztes Kreuz, das schon im Gerberhaus einen Ehrenplatz hatte, wurde noch einmal gesegnet und für alle sichtbar im Hausflur aufgehängt. Hierfür ein herzliches Vergelt’s Gott an die ehemalige Besitzerin Elfriede Müller. Mit Weihwasser besprengte Pfarrer Richard Reis nun auch die Räume und alle, die sie nutzen und in ihnen wohnen. „Gott ist da, er wacht auch über dieses neueröffnete Koberhaus und über alle, die hier leben.“ Für alle Ehrengäste hatte Rainer Kober noch ein Geschenk in Form eines Elefanten aus Porzellan. Sie sollten sich damit ein Stückchen Ruhe mit nach Hause nehmen, eine Ruhe, wie sie nur Elefanten ausstrahlen können.

Früher war das Gerberhaus weithin bekannt
Viele werden sich noch an „den Gerber“ oder „das Gerberhaus“ erinnern, wie es früher war. Topmodern gebaut beherbergte es im Erdgeschoss das Haushaltswarengeschäft der Familie Müller und in der Werkstatt einen Sanitärbetrieb. Eigentlich gab es hier alles, vom Nagel bis zum Bügelbrett. Nach der Schließung war nur noch die Etage im ersten Stock bewohnt. Es versank etwas in den Dornröschenschlaf, aus dem es heute im neuen Glanz erwachte. Es war eine Herausforderung, das gab Architekt Bernd Hüttner unumwunden zu. Bauen im Leerstand ist schon schwierig, aber bei dieser Architektur musste er alle Register ziehen. Natürlich tut man sich auf der Grünen Wiese mit einem Neubau leichter, aber gerade das hat ihn gereizt. Viele Besonderheiten hatte das Gebäude und wenn er so zurückdachte, dann war das ganze schon sehr mutig gedacht. Doch nun ist es fertig, Schweiß und Nerven hat es gekostet, aber es hat sich gelohnt. Neun Wohnungen und ein Dachgarten mit einem herrlichen Ausblick, auf dem Hochbeete entstehen, gibt es. Der Gemeinschaftsbereich mit großer Küche und Aufenthaltsraum soll ein Treffpunkt werden für die Mieter und alle Bürger.

Rainer Kober ist zusammen mit seinen Mitstreitern Cornelia Thron, Geschäftsführerin des Caritasverbandes, und Bürgermeister Gerhard Wunder aus Steinwiesen stolz auf das Geschaffene. Er bewundert Bernd Hüttner und seinen Bauleiter Jens Pohle, der es immer wieder geschafft hat, Handwerker zu organisieren, um den zeitlichen Rahmen wenigstens halbwegs halten zu können. Und Kober war stolz darauf, nun bei der Eröffnung sagen zu können, einen Mosaikstein beigetragen zu haben, um „eine Familiengemeinde in eine Gemeindefamilie“ sich entwickeln zu sehen. Auch für Cornelia Thron war es ein Freudentag für alle Mutigen. Die Menschen wollen heute wieder in die Heimat, nicht nur im Alter, auch schon die Jungen kommen wieder. Und das ist der Sinn des Projektes „in der Heimat wohnen“, genau dies zu ermöglichen. Und das Gemeinsame im Koberhaus mit Küche und Wohnzimmer im Erdgeschoss bringt sie alle zusammen. Das Quartiersmanagement wird voraussichtlich im August starten und dann steht auch eine Informations- und Beratungsstelle zur Verfügung. Ebenfalls werden Veranstaltungen durchgeführt und dies alles nicht nur für die Mieter, sondern für alle Bürger im Ortsbereich Steinwiesen.


Gerberhaus vor Umbau in Koberhaus: Zuletzt beherbergte das Koberhaus im Erdgeschoss das Stadtumbaumangement

Auch die Politik ist stolz auf das Projekt
Stadtumbaumangement, Leerstand, wohnen innerorts – all das ist seit Jahren Thema für die Marktgemeinde Steinwiesen. Ziele musste man sich geben und dazu brauchte man kompetente Partner. Und natürlich Geld und Investoren, die aber auch menschlich denken und auch die Menschen dabei im Blick haben. Und so ein Projekt war das Koberhaus, gemeinsam geschaffen von Menschen für Menschen. „Bei uns heißt es nicht nur ‚man müsste‘, sondern es wird selbst angepackt, selbst was geschaffen“, betonte Bürgermeister Gerhard Wunder. Dass dies alles nicht ohne Zuschüsse und staatliche Unterstützung geht, ist eigentlich klar. Nur gemeinsam können solche sozialen Projekte verwirklicht werden. Und deshalb war auch die Regierungspräsidentin des Regierungsbezirks Oberfranken, Heidrun Piwernetz, begeistert darüber, was aus diesem Gebäude geworden ist. Sie bezeichnete Rainer Kober als Ausführer, Investor, Unternehmer und vor allem als Optimisten, der sich auf diese Aufgabe eingelassen hat. Es sei etwas sehr Schönes entstanden, aus dem Bestand, so wie bereits viele andere Gebäude im Landkreis. Lachend meinte Piwernetz, dass es auch für Beamte Arbeit gibt, die einen Sinn macht, und solche Aufgaben gehören definitiv dazu. Besonders die Altersgruppe der 20 – 45jährigen soll die Chance haben, in der Heimat zu bleiben. Deshalb ist die staatliche Wohnbauförderung so wichtig. „Es wäre schön, hier im Landkreis noch mehr tätig werden zu können. Fordern sie uns als Förderbehörde heraus und wir werden zeigen, was uns die gute Qualität der Projekte wert ist“, bekräftigte die Regierungspräsidentin.

Landrat Klaus Löffler war stolz darauf, zu spüren, dass Menschen Verantwortung übernehmen, das Fundament des Miteinander ausbauen und Perspektiven aufzeigen. Dafür dankte er Rainer Kober herzlich, das ständige Bemühen, den Landkreis ins rechte Licht zu rücken, sei sein Lebensziel. „Im Landkreist spürt man auch den Aufbruch, die Menschen machen mit und sind mit Herzblut dabei“, sagte Löffler. In der Zukunft ist man nur gemeinsam stark, und hier im Koberhaus geht es nur gemeinsam mit der Caritas, sie bringt sich ein im digitalen Bereich und später auch im Quartiersmanagement.


Architektonisch anspruchsvoll und meisterlich gelöst – das Koberhaus von außen