Quartiersprojekt „In der Heimat wohnen“ wurde zum Ort der Begegnung, Beratung und des gemeinsamen Miteinander
Vier Jahre Quartiersarbeit – eine Bilanz des Erfolgsrezeptes, das 2021 in Steinwiesen gestartet ist. Die Kooperation des Caritasverbandes Kronach mit der Marktgemeinde Steinwiesen erwies sich als Glücksfall für die Initiatoren und vor allem für die Bevölkerung. Die Kombination aus Caritas-Quartierstützpunkt als zentrale Anlaufstelle rund um das Älterwerden und dem Quartierstreff als Treffpunkt für Jung und Alt sowie den barrierefreien Wohnungen im Koberhaus hat sich in den letzten Jahren mehr als bewährt.
Viele interessante und abwechslungsreiche Angebote
Fragt man die Besucher der vielseitigen Angebote, die es unter der Leitung von Luisa Engelhardt gibt und die von vielen Ehrenamtlichen unterstützt wird, dann bekommt man durchweg positive Antworten. Von „toll, dass es diese Angebote gibt“, „ich bin immer dabei“, „wir bewundern Luisa, dass sie immer wieder was Neues macht“, bis hin zu „hoffentlich geht das auch immer so weiter“, kommen die begeisterten Meinungen. Und es wurde wirklich schon viel angeboten. So hat sich ein Stricktreff, ein Bingo- und Spielenachmittag etabliert, Sitztanz, Spaziergänge und kleine Vorträge zu allen möglichen interessanten Themen und sogar beim Basteln sind viele mit dabei. Der Besuch von Jugendlichen, dem Gartenbauverein oder von Steinwiesen aktiv stand schon an. Es wurden kleine Feste gefeiert, Flohmärkte organisiert und Adventsfenster und Kaffeekränzchen im Postgarten angeboten. Über 190 solcher Begegnungsangebote waren es in den letzten vier Jahren. Natürlich schafft das Luisa Engelhardt nicht allein. Ganz allmählich hat sich hier ein Netzwerk aufgebaut aus vielen Ehrenamtlichen, die sich einfach ein wenig engagieren wollen, die auf ein Miteinander setzen. Sie wollen helfen, andere aus ihrer Isolation, ihrer Einsamkeit herauszuholen. Da gibt es gemeinsame Spaziergänge, Gespräche und Unternehmungen, oder einfach nur ein „da sein“.
Neben den vielen Aktivitäten bietet der Quartiersstützpunkt auch Beratung und Unterstützung für ältere Menschen, pflegende Angehörige und Interessierte an. Neutral und kostenfrei wird beraten, über 450 solcher individuellen Beratungsgespräche fanden seit Beginn statt. Gerade bei der häuslichen Pflege und Versorgung ist der Redebedarf groß. Möglichkeiten aufzeigen, damit die Angehörigen länger zuhause leben können, einen geschützten Raum für sie schaffen, das ist ein Anliegen, das im Quartiersstützpunkt sehr ernst genommen wird. Der Landkreis Kronach ist deutschlandweit der Landkreis mit den meisten Pflegebedürftigen und Demenzkranken. Dies ist auf den demografischen Wandel zurückzuführen und deshalb sind solche Anlaufstellen so wichtig. Durch den Fachkräftemangel ist man hier auf die Ehrenamtlichen angewiesen, doch auch sie können nicht alles auffangen. „Wir sind froh, hier noch so viele zu haben, die einfach mithelfen wollen, die wissen, dass es nur Miteinander geht“, sagt Luisa Engelhardt dankbar.
Adventsaktion Weihnachtswichtel
Miteinander ist auch das Stichwort für die aktuelle Adventsaktion: „Weihnachtswichtel“ ist das Zauberwort, das jetzt im Dezember umgesetzt werden soll. Älteren Menschen eine Freude machen, sie aus ihrer Isolation herausholen, Hoffnung spenden und wieder zu einer lebendigen, sich sorgenden Nachbarschaft zurückkommen – das ist das Ziel dieser Aktion. Nachdem im letzten Jahr die Adventsengel-Aktion gut angenommen wurde, gibt es heuer die Weihnachtswichtel. Diese sind sowohl diejenigen, die schenken, als auch das Geschenk selbst - der Wichtel. Liebevoll gestaltet aus gestrickter Mütze von den Stricktreffdamen und bemalten Steinen oder dicken Tannenzapfen finden sie zusammen mit einem Mutmachgedicht den Weg zu den älteren Menschen im Gemeindegebiet Steinwiesen. Mitmachen kann jeder, als Privatmensch, der seine Nachbarn besucht, Seniorenkreise, die Caritas-Sozialstation, sogar als Verein kann man dabei sein. Ca. 100 dieser Wichtel wurden gebastelt und werden ihren Weg dorthin finden, wo sie gebraucht und geliebt werden. Und dass der Spaß nicht zu kurz kommt bei diesen Aktionen, zeigten die vielfältigen Gesichter, die auf den Steinen und Kugeln gemalt wurden, da gab es lachende, grinsende, schielende und zwinkernde Wichtel, die nun ihren Weg zu den Beschenkten finden werden.
Natürlich gibt es auch noch mehr Aktivitäten im Herbst. So wurde der Versuch gestartet, einen Besuchsdienst aufzubauen, das Thema Demenz steht wieder im Mittelpunkt mit Gedächtnistests und Gedächtnistraining und vielen Informationen, wie man damit umgeht. „Das größte Problem bei beginnender Demenz ist die Einsamkeit“, bemerkt die Quartiersmanagerin.
Ausblick und Finanzierung
Den Quartiersstützpunkt gibt es nun bereits im fünften Jahr. Gefördert wird das Projekt aus Mitteln des bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales. Anfangs lief das Projekt vier Jahre, hier wurde es aufgebaut, ein Netzwerk geschaffen und die Nachbarschaftshilfe und Mobilität rückte in den Fokus. Nun wurde es um ein Jahr verlängert bis August 2026 und wird zum Teil wieder aus Mitteln des bayerischen Staatsministeriums für Familie, Arbeit und Soziales gefördert. Die übrigen Kosten teilen sich die Marktgemeinde Steinwiesen und der Caritasverband Kronach, die sich auch verpflichtet haben, das Projekt nach Auslaufen der Förderung weiter zu finanzieren und aufrechtzuerhalten. Im kommenden Jahr steht die Idee des Besuchsdienstes „Zeit schenken“ und die Kampagne gegen die Einsamkeit „Ich bin da“ im Mittelpunkt. Dass dies eine gute Sache ist, zeigt die Beteiligung und Begeisterung bei den einzelnen Treffen und Angeboten und dass es wirklich gebraucht wird, das positive Feedback sowohl beim Quartierstreff als auch beim Quartiersstützpunkt. Und was besonders auffällt, ist, dass sich viele ehrenamtlich engagieren, die man sonst eigentlich nicht so im Mittelpunkt sieht.