Ein Steinwiesener Bittgesuch an König Ludwig II. – Zahnschmerzen im königlichen Gefolge

05. November 2026: Ein historischer Brief erzählt eine besondere Geschichte aus Steinwiesen

Ein außergewöhnliches historisches Dokument gibt Einblick in die Vergangenheit des Marktes Steinwiesen: Ein Brief aus der Zeit um 1870, der an Seine Majestät König Ludwig II. von Bayern gerichtet ist. Dahinter verbirgt sich eine ebenso interessante wie menschliche Geschichte.

Als ein Tross aus dem königlichen Gefolge König Ludwigs II. in Bayreuth weilte und auch den Frankenwald besuchte, ereignete sich eine Begebenheit, die schließlich ihren Weg bis zum bayerischen König fand.

Eines der Mitglieder des königlichen Gefolges litt während des Aufenthalts unter erheblichen Zahnschmerzen. Hilfe fand der Betroffene beim örtlichen Bader Georg Geiger, der sich der Zahnbehandlung annahm. Der Bader, der in jener Zeit neben weiteren medizinischen Tätigkeiten auch Zahnbehandlungen durchführte, leistete die notwendige Hilfe.

Doch trotz der Behandlung blieb die Rechnung offenbar unbezahlt.

Der Steinwiesener Bader und Zahnarzt Georg Geiger wandte sich deshalb mit einem Bittgesuch direkt an König Ludwig II. von Bayern. In dem kunstvoll handgeschriebenen Brief bat er Seine Majestät um die Entlohnung für die geleistete Behandlung. Die feierliche Anrede „Seine Königliche Majestät, dem allerhöchsten, großmächtigsten König Ludwig II. von Bayern“ verdeutlicht den besonderen Adressaten des Schreibens.

Das historische Dokument in deutscher Kurrentschrift ist nicht nur wegen seiner kunstvollen Handschrift, der Poststempel und der erhaltenen roten Siegel bemerkenswert. Es erzählt auch eine ganz alltägliche Geschichte aus einer längst vergangenen Zeit: Ein Handwerker leistet seine Arbeit, wartet auf die Bezahlung und wendet sich schließlich mit seinem Anliegen an den König.

Ob König Ludwig II. dem Bittgesuch tatsächlich stattgegeben hat und Georg Geiger seine ausstehende Vergütung erhielt, bleibt bislang offen.

Ein wertvolles Stück Steinwiesener Heimatgeschichte

Der Brief verbindet den Markt Steinwiesen unmittelbar mit der Geschichte des bayerischen Königshauses und der Reise des königlichen Gefolges durch den Frankenwald. Zugleich gewährt er einen anschaulichen Einblick in das damalige Berufsleben und die medizinische Versorgung in unserer Region.

Ein besonderer Dank gilt dem Steinwiesener Walter Schmittdorsch, dem dieser historische Brief gehört und der uns das wertvolle Dokument freundlicherweise zur Veröffentlichung auf unserer Homepage zur Verfügung gestellt hat.

Dieses außergewöhnliche Schriftstück ist ein kleines, aber bedeutendes Stück Steinwiesener Geschichte. Es zeigt, dass selbst eine nicht bezahlte Zahnarztrechnung vor über 150 Jahren ihren Weg bis an den königlichen Hof finden konnte.