Ein Stück Steinwiesener Geschichte bekommt eine Zukunft

19. Oktober 2026: Traditionsgeschäft „Fritzla“ schließt Ende 2027 – Bäckerei Schauer plant Bäckerei und Café im Herzen von Steinwiesen

Das Gebäude „Am Platz“ gehört zu den ortsbildprägenden Häusern im Zentrum von Steinwiesen. An der Stelle, auf die sowohl die Kronacher Straße als auch die Nordhalbener Straße zuführen, bildet es seit vielen Jahrzehnten einen markanten Mittelpunkt des Ortes. Eng verbunden ist das Gebäude mit dem traditionsreichen Dorfladen „Fritzla“, der seit Generationen ein fester Bestandteil des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens in Steinwiesen ist.

Die Geschichte des Familienunternehmens reicht bis ins Jahr 1922 zurück. Damals gründete Fritz Beierkuhnlein ein Bahnhofscafé mit Konditorei. Aus diesem entwickelte sich später ein Gemischtwarenladen, der seit 1935 seinen Standort im heutigen Gebäude hat. Mittlerweile führt Wieland Beierkuhnlein das Geschäft in dritter Generation. Über die Jahrzehnte hinweg hat sich das „Fritzla“ weit über die Gemeindegrenzen hinaus einen Namen gemacht und wurde unter anderem als erster privat geführter Dorfladen Deutschlands mit fünf Sternen ausgezeichnet.

Zum 31. Dezember 2027 möchte Wieland Beierkuhnlein seinen Geschäftsbetrieb einstellen. Damit stellte sich die Frage, wie sowohl die künftige Nutzung des Gebäudes als auch die Belebung dieses zentralen Standortes langfristig gesichert werden können. Beierkuhnlein selbst hatte sich bereits intensiv mit verschiedenen Möglichkeiten einer Nachfolge beschäftigt. Allerdings ließ sich weder ein geeigneter Nachfolger finden noch ein dauerhaft tragfähiges und zukunftsfähiges Konzept entwickeln.

In einem gemeinsamen Gespräch zwischen Wieland Beierkuhnlein und Bürgermeister Sven Schuster entstand schließlich die Idee, das Gebäude in die Verantwortung der Marktgemeinde zu überführen und damit die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung des Standortes zu schaffen. Dieser Ansatz wurde anschließend gemeinsam weiterverfolgt und konnte nun erfolgreich umgesetzt werden. Wieland Beierkuhnlein hat das Anwesen der Marktgemeinde überlassen und sich dabei ein lebenslanges Wohnrecht gesichert.

Dieser Schritt verdient besondere Anerkennung. Wieland Beierkuhnlein stellt damit sein über Generationen gewachsenes Familieneigentum in den Dienst der Gemeindeentwicklung. Statt ausschließlich private Interessen in den Vordergrund zu stellen, ermöglicht er der Marktgemeinde, eines ihrer wichtigsten Gebäude im Ortskern langfristig zu sichern und einer sinnvollen Nachnutzung zuzuführen. Diese Entscheidung ist ein außergewöhnliches Zeichen der Verbundenheit mit Steinwiesen und der Verantwortung für die Zukunft des Heimatortes.

Eine konkrete Perspektive für die Nachnutzung zeichnet sich bereits ab: Bernd Schauer von der Bäckerei Schauer aus Wallenfels möchte im Jahr 2028 in dem Gebäude eine Bäckerei mit angeschlossenem Café eröffnen. Auch die nächste Generation ist bereits auf dem Weg in das Familienhandwerk: Sein Sohn absolviert eine Ausbildung zum Bäcker, seine Tochter zur Konditorin. Damit bestehen gute Voraussetzungen für ein langfristig ausgerichtetes Familienunternehmen am Standort Steinwiesen.

Mit dieser geplanten Nutzung soll nicht nur ein wichtiger Teil der örtlichen Grundversorgung erhalten bleiben. Ein Café im Ortszentrum kann zugleich einen neuen Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste schaffen und damit zur Belebung des Ortskerns beitragen.

Für die Marktgemeinde besitzt das Gebäude eine besondere strategische Bedeutung. Gemeinsam mit dem ehemaligen VR-Bank-Gebäude, dem Koberhaus und dem Postgarten bildet es ein Ensemble, das für das Erscheinungsbild und die weitere Entwicklung der Ortsmitte von zentraler Bedeutung ist. Die Sicherung und gezielte Weiterentwicklung dieser Gebäude und Flächen ist deshalb ein wichtiger Baustein der langfristigen Gemeindeentwicklung.

Bürgermeister Sven Schuster sieht in der gefundenen Lösung eine große Chance für Steinwiesen. Der Erhalt ortsbildprägender Gebäude, die Sicherung der Nahversorgung und die Schaffung neuer Begegnungsmöglichkeiten seien wesentliche Ziele einer nachhaltigen Ortsentwicklung. Mit der geplanten Nachnutzung könne an die lange Tradition des Standortes angeknüpft und gleichzeitig eine neue Perspektive geschaffen werden.

Ein besonderer Dank gilt Wieland Beierkuhnlein, der mit seiner Entscheidung den entscheidenden Grundstein für diese Entwicklung gelegt hat. Nach mehr als 100 Jahren „Fritzla“ soll das Gebäude auch künftig ein lebendiger Bestandteil der Steinwiesener Ortsmitte bleiben – mit einer neuen Nutzung, die zugleich an die Geschichte des Familienunternehmens anknüpft.

Leider haben wir keinen Alternativtext zu diesem Bild, aber wir arbeiten daran.
Im Bild von links: Bernd Schauer, Wieland Beierkuhnlein, Frank Hauck, Jürgen Eckert, 1. Bürgermeister Sven Schuster und Brigitte Geiger.