Gemeinschaftsprojekt von Alt und Jung wurde vorgestellt

04. August 2026: „Wenn Häuser sprechen könnten“
Stolz sind die Jugendlichen auf ihre umfangreichen Recherchen, die sie nun im Koberhaus vorstellten. Im Bild einige der Senioren, sowie Margarita Volk-Lovrinovic (2.v.li), Rainer Kober und Luise Engelhardt (re).

Geschichten über alte Häuser und ihre Bewohner, Interessantes erfahren über die alten Gemäuer und ihre Nutzung vor langer Zeit und heute. Unter dem Leitgedanken „Wenn Häuser sprechen könnten – Geschichten aus Steinwiesen entdecken und erzählen“ erwachte im April dieses Jahres eine Idee zum Leben, die Senioren und Jugendliche gleichermaßen begeisterte. Entstanden war die Idee, nachdem das alte „Süßa-Haus“ mit einem großen Graffiti neu gestaltet worden war. Plötzlich interessierten sich die Jugendlichen, die daran beteiligt waren, dafür, welche Geschichte hinter diesem alten Haus eigentlich steckt. Und so ging es los, eine kleine Idee wurde groß und schließlich umgesetzt. Man wollte die Geschichte erkunden. Es mussten jedoch auch Menschen mit ins Boot genommen werden, die sich da auskannten, die „alt“ genug waren, von früher zu erzählen und sich an viele Einzelheiten erinnerten. Im Koberhaus fand sich deshalb ein „gemischter Haufen“ zusammen. Von Jung (15 Jahre) bis älter (89) war alles vertreten und jeder konnte „seine“ Geschichten dazu beitragen.

Letztendlich kristallisierten sich drei Häuser heraus, bei denen es sich wirklich lohnte, in ihre Geschichte einzutauchen. Das bereits genannte „Süßa-Haus“ bzw. „die Süßa“, wie das Haus und der sich darin befindliche Laden genannt wurde, nahmen sich die Jugendlichen Luise Müller und Nora Stöcker vor. Zwei Häuser weiter gab es „die Rübba“, ein Ensemble von mehreren Häusern, hier recherchierten Amelie Kremer und Katharina Kolb. Und schließlich noch „die Postfritzen“, ein Gasthaus, das in den letzten Jahrhunderten so viel mehr war. Hier gingen Ida und Heidi Kolb auf Spurensuche. „Wenn Häuser sprechen könnten“ – ja dann wäre es leichter gewesen. Aber so hatten die sechs Jugendlichen ein ganz schönes Pensum vor sich. Zwar konnten ihnen die Senioren bereits beim ersten Treffen so einiges erzählen, aber da gab es ja noch so viel mehr. „Wir haben mit ganz vielen Leuten geredet und auch in unseren Familien nachgefragt“, betonte Heidi Kolb. Vor allem die Omas wussten doch noch so einiges zu berichten und so erfuhr man viel Neues, nicht nur über die drei Häuser, sondern über den ganzen Ort. Und gerade dieser Austausch beim generationenübergreifenden Projekt war das Wichtigste. Eröffnete er doch den jungen Damen einen neuen Blick auf scheinbar vertraute Gebäude und gab den älteren Menschen die Möglichkeit, ihr Wissen und ihre persönlichen Erinnerungen weiterzugeben.

Intensive Recherchen und viele freiwillige Arbeitsstunden

Dass dies in den vergangenen Wochen so gut gelungen ist, ist Luisa Engelhardt vom Quartiersmanagement im Koberhaus zu verdanken. Sie brachte die Jugendlichen regelmäßig im Koberhaus zusammen, hielt den Kontakt und koordinierte Treffen und Arbeitsschritte. Nun ist sie stolz auf das Ergebnis, das im kleinen Rahmen vorgestellt wurde. Margarta Volk-Lovrinovic von Kronach Creativ, Rainer Kober von Steinwiesen Aktiv und einige der Senioren waren gespannt auf die Geschichten, die sich um die drei Häuser „die Süßa“, „die Rübba“ und „die Postfritzen“ gesponnen hatten. Und sie wurden nicht enttäuscht, da erfuhr sogar mancher der Älteren noch etwas Neues. Zum Beispiel war „die Süßa“ ein kleines Geschäft, einem "Unverpackt-Laden" ähnlich, denn damals musste man die Behälter selbst mitbringen. Milch, Obst und Gemüse waren die Lebensmittel, die man verkaufte. Aber die Süßa war noch mehr, Touristen ließen sich früher hier gerne fotografieren, gab es doch einen der wenigen Fotoapparate. 

Etwas größer war das Areal „der Rübba“ Hier gab es eine Bäckerei mit Lebensmittelgeschäft, eine Metzgerei und Gastwirtschaft und eine Schreinerei. Alles von drei Brüdern betrieben, sie wurden „die Rubbn“ genannt, ein Hausname, der vom alten Franz Rupp kam, dessen Haus 1832 gebaut wurde. Die Dritten im Bunde sind „die Postfritzen“. Heute ist das Anwesen bekannt als der Gasthof "Zum Goldenen Anker". 1824 wurde er erbaut und hat eine wechselhafte Geschichte. Angefangen von der Poststelle. Hier kam auch der Name her, vom Besitzer Fritz und dem Postwesen entstand „Postfritzen“. Außerdem gab es später einen Kolonialwarenladen, eine Zigarrenfabrik und die Loewe Opta und die Fa. Dreefs nutzten ebenfalls die Räumlichkeiten. Ein Tanzsaal mit Bühne, ein Metzgerei-Verkauf und tolle Kirchweihfeste pflasterten den Weg der „Postfritzen“. 

Viele interessante Informationen gab es noch von den Häusern, die Zuhörer lauschten angespannt und waren am Ende begeistert. Mit der Vorstellung der Recherchen soll das Projekt jedoch nicht abgeschlossen sein. Wie Rainer Kober von Steinwiesen Aktiv betonte, werde man ein Schild an jedes Haus befestigen, auf dem neben einem alten Foto der Hausname stehen soll. Außerdem ein QR-Code, über den man mit dem Smartphone eine Audio-Datei abrufen und sich die Geschichte des Hauses anhören kann. Schön wäre es natürlich, wenn diese tolle Idee weitergeführt werden würde und noch andere interessante Häuser und Hausnamen so eine Aufmerksamkeit bekämen. Die sechs Jugendlichen jedenfalls waren nicht abgeneigt, hier weiter zu machen und vielleicht findet sich ja der eine oder andere, der sich ebenfalls dafür begeistern kann. Entweder als Erzähler und Informant oder als einer, der diese Informationen zu einem Ganzen verbindet. So wie diese Geschichten von „der Süßa“, „der Rübba“ und den „Postfritzen“.

Wo kann man die Geschichten lesen?

Steinwiesen Aktiv stellt die drei Häuser beim Genussfest am 12. September vor. Dort erhalten alle, die sich für diese Recherchen interessieren, auch Auskunft, wie sie sich einbringen können. Denn Spaß macht es allemal und wer weiß, was sich noch so Interessantes zu Tage fördern lässt. Interessante Häuser gibt es genug. Auch in den Ortsteilen wäre so eine Aktion denkbar. Die Initiative wird im Rahmen des Projektes „Kommunalentwicklung 2.0 und Flächensparen im Landkreis Kronach“ von Kronach Creativ umgesetzt und im Rahmen der Regionalmanagementförderung durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie sowie der Oberfrankenstiftung gefördert.