In den 70er Jahren wurde das Gebäude mitten im Ort an der Durchgangsstraße eine Zweigstelle der Raiffeisenbank, später umbenannt in VR Bank. Vorher war das historische Gebäude bekannt als Gasthof zur Post mit dem Postsaal, in dem viele Jahrzehnte lang Tänze und Veranstaltungen stattfanden. Erst mit dem Bau der Schulturnhalle 1967, jetzt umgebaut zur Kulturhalle, endete die Ära im Postsaal. Auch war früher die Poststelle und Poststation mit Stallung dort und im benachbarten Postgarten untergebracht.
Leerstand beseitigen
Nun steht das geschichtsträchtige Gebäude schon seit der Schließung der Bank 2023 leer und wartet darauf, wieder mit Leben erfüllt zu werden. Die Marktgemeinde Steinwiesen hatte das Gebäude im selben Jahr übernommen, nun laufen konkrete Planungen für eine sinnvolle und nachhaltige Nutzung. Um dies in die Wege leiten zu können, wird seit 2025 eine Machbarkeitsstudie durch das Architekturbüro Schöttner aus Wallenfels erstellt. Den entscheidenden Impuls für eine mögliche künftige Nutzung gab Nadine Hopf, Mitarbeiterin in der Frühförderstelle der Lebenshilfe in Kronach, mit dem Hinweis, dass die Lebenshilfe Kronach für ihre Frühförderstelle geeignete Räumlichkeiten für eine zweite Außenstelle sucht. Bürgermeister Sven Schuster nahm diesen Hinweis auf und führte gemeinsam mit Geschäftsleiter Rainer Deuerling erste Gespräche mit Jana Hofmann, der Leiterin der Frühförderstelle. Nach einem anschließenden Vor-Ort-Termin mit dem Geschäftsführer der Lebenshilfe Kronach, Christian Cartus, gab die Lebenshilfe grünes Licht: Sie möchte die Räumlichkeiten nach einer Sanierung für mindestens zehn Jahre pachten. Der Marktgemeinderat sprach sich geschlossen dafür aus, das Projekt gemeinsam mit dem Partner Lebenshilfe Kronach anzugehen. Neben den Räumen für die Frühförderstelle sollen in dem Gebäude zudem zwei Wohnungen entstehen. Auch die Regierung von Oberfranken hat die grundsätzliche Förderfähigkeit des Projekts bereits in Aussicht gestellt. „Dafür gilt der Regierung von Oberfranken ein herzliches Vergelt’s Gott. Sie ist für unsere Kommunen stets ein verlässlicher und starker Partner“, betont Bürgermeister Sven Schuster.
Frühförderstelle
Die Frühförderstelle der Lebenshilfe Kronach bietet vielfältige Hilfen für entwicklungsauffällige Kinder von der Geburt bis zur individuellen Einschulung. Zum Regelangebot gehören unter anderem Erstberatung, Entwicklungsdiagnostik sowie die Förderung und Behandlung der Kinder im Rahmen der sogenannten Komplexleistung. Diese verbindet heilpädagogische und psychologische Maßnahmen mit medizinisch-therapeutischen Leistungen und ermöglicht damit eine gezielte, am Kind und seiner Familie orientierte Förderung. Weitere Angebote sind der Fachdienst Inklusion für Kinder mit besonderen Bedürfnissen in inklusiven Kindertagesstätten sowie die mobile sonderpädagogische Hilfe für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Vorschulalter. Eltern können ihr Kind auf Empfehlung eines Arztes, einer Erzieherin oder anderer Fachpersonen bei der Frühförderstelle anmelden. Ebenso ist eine direkte Kontaktaufnahme möglich, wenn Eltern sich Sorgen um die Entwicklung ihres Kindes machen. Wie Geschäftsführer Christian Cartus ausführte, nehmen momentan ca. 160 Kinder im Landkreis die Angebote der Frühförderstelle in Anspruch. Besonders in den Bereichen Logopädie, Ergotherapie und Psychotherapie wird mit den Kindern gearbeitet. „Die Tendenz ist so, dass es in Zukunft noch stärker frequentiert sein wird, wir noch mehr gebraucht werden“, sagte Cartus. Steinwiesen sei ein guter Standort, denn man wolle den Landkreis mit Außenstellen gut abdecken. Es werde feste Mitarbeiter geben und Therapeuten je nach Bedarf.
Bürgermeister Sven Schuster weist darauf hin, dass es wichtig ist, Leerstände gerade im Ortskern wieder mit Leben zu erfüllen. Das seit 2023 leerstehende ehemalige Bankgebäude erhält nun eine neue wichtige Aufgabe für Steinwiesen und die gesamte Region. Gleichzeitig entsteht ein Angebot, das Familien unterstützt und Kindern frühzeitig wertvolle Hilfe bietet. Zusätzlich zeigt es aber auch der Bevölkerung, dass man von Seiten der Gemeinde alles versucht, die Leerstände zu beleben und auch wieder positive Zeichen für die Infrastruktur des Ortes zu setzen. Zum Zeitplan sagte Schuster, dass in vier Wochen die Container anrollen zur Entkernung des Erdgeschosses und die Umbauarbeiten beginnen können. Die Eröffnung sei für Mai 2027 angepeilt. „Es ist mir wichtig, die Bürger immer wieder über solche Projekte zu informieren, damit auch nach außen sichtbar wird, dass Steinwiesen ein lebendiger Ort ist“, schloss das Gemeindeoberhaupt.